Fotoshooting und Besuch in der Maske bei Miriam Waldenspuhl und Daniel Riedl

Interview vom Probenblog zur Produktion Vier Hochzeiten und ein Musical der Bayerischen Theaterakademie August Everding.

Das Ende der zweiten Probenwoche ist in Sicht und wir befinden uns nach wie vor in der Zeit der „Roaring Twenties“. Nachdem die Abteilungen Kostüm und Maske hervorragende Arbeit geleistet haben, hat unsere Fotografin Hilda Lobinger das Ensemble im Stil originaler „Ziegfeld Follies“-Plakate abgelichtet. Die Fotos zur Produktion werden wir demnächst auch hier veröffentlichen.

Während des Fotoshootings haben wir unsere beiden verantwortlichen Maskenbildner Miriam Waldenspuhl und Daniel Riedl (beide 1. Jahrgang Maskenbild Theater – Film) besucht, die uns anschließend ein wenig über ihr Studium und ihre Arbeit erzählt haben.

Welche Figuren der Produktion schminkt ihr und was ist das Besondere an der Gestaltung der jeweiligen Maske?

Daniel: Ich schminke Kitty. Ich habe mir diese Figur aus dem Grund herausgepickt, weil ich mich austoben und das Glamour-Girl richtig bedienen wollte – in diesem Fall sind das Glitzer, falsche Wimpern, krasses Make-Up, Wasserwelle und auch eine Perücke, die extra für sie angefertigt wird. Diese Perücke – eine weiß-silber-blonde Wasserwellenfrisur mit Glitzerkäppchen – ist sehr speziell und auffällig. Ich glaube, ich wollte einfach ein bisschen einen Eye-Catcher für mich kreieren. Neben Kitty schminke ich auch den Trauzeugen George, der eher ein Sunny-Boy und der bodenständigere Typ ist. Er hat eine coole, lässige und natürliche Art.

Miriam: Ich schminke Aldolpho. Den habe ich mir ausgesucht, weil mich die Rolle interessiert hat und weil er ein lustiger Typ ist – die Karikatur pur im Stück. Bei ihm kann man mit vielen Zeichen spielen und übertreiben – eigentlich ähnlich wie bei Kitty. Aldolpho habe ich auch ausgesucht, weil ich mal einen Mann so übertrieben dargestellt schminken wollte. Als weitere Figur habe ich noch die Doppelrolle Dienstmädchen/Journalistin gewählt, da mir ihr Look gefällt. Sie bekommt eine Perücke, die extra neu überarbeitet wird – das ist etwas ganz Besonderes.

Ihr übernehmt für diese Produktion die Leitung der Maske. Wie sieht das Team aus, das hinter euch steht?

Daniel: Der gesamte erste Jahrgang Maskenbild ist für dieses Stück verantwortlich. Miriam und ich übernehmen die Leitung, unterstützt werden wir aber von unseren Dozenten. Wir werden also nicht ins kalte Wasser geworfen, sondern erlernen, wie der Job funktioniert und wie ein Maskenbildner unter einer Leitungsposition fungiert.

Miriam: Unsere Dozenten, die ihre Spezialgebiete in den verschiedenen Feldern haben, unterstützen uns dabei; es gibt zum Beispiel einen Dozenten für Perückenherstellung, einen für Frisieren, einen anderen für Make-up. Wir, der erste Jahrgang, statten das Stück aus und entwerfen auch die Maske. Im Theateralltag ist es ja normalerweise so, dass die Kostümbildner bereits Maskenbilder grob entwerfen und an uns weitergeben. Aber in diesem Fall ist es das Besondere, dass wir die Maskenbilder selber entworfen haben und mit der Kostümabteilung zusammenarbeiten.

Wie seid ihr zum Studium Maskenbild gekommen?

Miriam: Bei mir kam die Entscheidung schon relativ früh. Ich wollte bereits während meiner Schulzeit – im Alter von 15, 16 Jahren – Maskenbildnerin werden und habe mich dann so gut es geht darauf vorbereitet. Nach dem Abitur habe ich eine auf zwei Jahre verkürzte Friseurausbildung absolviert und anschließend ein Jahr Praktikum am Staatstheater Stuttgart im Bereich Opern-, Ballett- und Schauspielmaske gemacht. Dort konnte ich einige Produktionen mitbetreuen – manchmal auch im größeren Stil, zum Beispiel bei der Kinderoper. Als Überbrückung vor dem Maskenbild-Studium habe ich noch ein Semester Kunstgeschichte studiert.

Daniel: Ich war an der Oper Graz als Statist tätig und habe dort Blut geleckt an dem Ganzen. In einem Zeitraum von etwa einem Jahr hat es sich herauskristallisiert, dass ich Maskenbild machen möchte. Nach gründlicherer Recherche im Internet bin ich dann auf den Studiengang hier an der Akademie gestoßen und da war für mich sofort klar, dass ich dieses Studium machen möchte. Vor Studienbeginn habe ich mir noch so viel wie möglich selbst beigebracht.

Wie ist euer Bachelor-Studiengang aufgebaut? Wie ist das Verhältnis zwischen Praxis-und Theorieunterricht?

Miriam: Das ist dem Jahrgang entsprechend unterschiedlich aufgebaut. Wir sind direkt in die Praxis gegangen und haben eher projektorientiert das Handwerk erlernt. Es ist aber auch oft so, dass man erst einmal mit einem Grundunterricht anfängt. Das kommt immer darauf an, wie der Jahrgang zusammengesetzt ist, wie viel Vorerfahrung jeder hat und je nachdem, welche Projekte gerade anstehen.

Daniel: Aber selbst Hand anlegen und umsetzen, das wird eigentlich schon ab der ersten Woche gefordert. Ich glaube, da hat aber auch jeder Lust drauf und „learning by doing“ ist halt dann doch irgendwie das Beste.

Ausgangspunkt des Fotoshootings waren die 1920er Jahre. Was ist die Besonderheit dieser Zeit und wie hat euch die Arbeit gefallen?

Miriam: Es hat großen Spaß gemacht. Die Zwanziger Jahre gehören zu meinen Lieblings-Zeiten, weil ich den Stil in dieser Zeit einfach wunderschön finde. Es war die Zeit, in der Neues aufgekommen ist: Frauen haben kürzere Haare getragen, sich anders frisiert. Wellenfrisuren und Make-Up kamen auf. Wir haben beim Fotoshooting versucht, diese Zeichen zu setzen, zum Beispiel mit der Wasserwelle, dieser bestimmten Lippenform – dem Amorbogen – oder mit den betonten Augen. Dabei haben wir aber versucht, ins „heute“ zu interpretieren. Wir wollten die jungen Darsteller, die fotografiert wurden, nicht in eine alte Schachtel stecken, sondern haben uns gefragt: Wie würde dieser Look heute aussehen?

Daniel: Genau, damit das Ganze einen frischeren Touch bekommt und nicht so einen morbiden Charakter hat. Wir wollten die Maske nicht eins zu eins nachahmen. Es würde zwar funktionieren, aber es ist heute leicht befremdlich, wenn zum Beispiel die Augenbrauen nur aufgemalt sind. Das ist für unser heutiges Auge einfach schwieriger, damit umzugehen – das ist dann gleich Fasching.

Gibt es irgendein Stück oder einen Film, bei dem ihr gerne einmal die Maske gestalten möchtet?

Daniel: Da gibt’s einige. Historienfilme würden mich auf jeden Fall reizen, weil man da aus Kisten von Jahrhunderten schöpfen kann. Da picke ich mir sozusagen die Juwelen raus und kann mir trotzdem in irgendeiner Art und Weise treu bleiben – ich kann immer wieder etwas von mir in das Ganze einfließen lassen.

Miriam: Historische Filme würden mich auch reizen, gerade vom Handwerklichen her – zum Beispiel eine Perücke echt wirken zu lassen. Ich habe einmal das Buch „Das Spiel ist aus“ von Jean-Paul Sartre gelesen. Das hat mich sehr ergriffen und ich habe versucht, den Film dazu zu finden. Er spielt in einer zweiten Schein-Welt und das würde mich interessieren, so etwas mal zu machen.

Quelle: www.vierhochzeiten.wordpress.com